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Der See und seine Menschen

Der Lago de Atitlan gilt als einer der schönsten Seen unserer Erde – das habe ich jedenfalls immer wieder gelesen, während ich mich auf mein Volunteering in Guatemala vorbereitet hatte. Nach nun mehr als zwei Monaten in Panajachel, einem touristischen Örtchen, kann ich meine Begeisterung für die Gegend hier nicht leugnen. Ursprünglich habe ich mich vor allem darauf gefreut, jeden Tag die drei Vulkane San Pedro, Toliman und Atitlan zu sehen, die den See umrunden. Aber nicht nur diese drei Riesen machen die Region hier zu etwas Einmaligem, sondern auch die grünen Hügel, das seichte Wasser und die unterschiedlichen Dörfer, die um den See verteilt sind. Vom Hippie-Yoga-Dorf San Marcos über das Backpaper-Domizil San Pedro bis zum ursprünglichen und von Traditionen sprühenden Santiago ist hier für jedermann was dabei. Aber in was ich mich schlussendlich verliebt habe, das sind die Menschen hier.

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Das Projekt G_M.14

Die Region um den See ist Heimat für einen großen Teil der indigenen Bevölkerung von Guatemala – der Maya Bevölkerung. Durch meine Arbeit bei dem Projekt G_M.14 konnte ich vor allem viele Maya Frauen und ihre Geschichte kennenlernen. Die meisten von ihnen sprechen nur wenig Spanisch sondern ihre indigene Sprache, was dazu führen kann, dass bei einer Besprechung die Frauen sich gegenseitig nicht verstehen, da an einem Ufer des Sees Cakchiquel und am anderen Ufer Tzutuhil gesprochen wird und das sind nur zwei von den 21 verschiedenen Maya Idiomen.

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Die Kultur

Allen Kommunikationsschwierigkeiten zum Trotz, können die Frauen immer ausdrücken was sie wollen und vor allem was sie können. Und sie können so einiges. Die Organisation für die ich im Kommunikationsbereich arbeite, unterstützt die Frauen bei der traditionellen Webkunst, dem Backstrap weaving. Was wirklich eine Kunst für sich ist. Dabei muss man nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch ein Auge für Design und Farben haben sowie ein ziemlich gutes Verständnis für Mathematik und vor allem Geduld. Manche Arbeiten können bis zu sechs Monate lang dauern, wenn man ein besonders aufwendiges Produkt webt. Und mit dem Weben allein ist es nicht getan, hier am See wird auch Baumwolle angebaut, diese dann zu Fäden verarbeitet und mit Naturfarben gefärbt, stundenlang aufgerollt und mittels einem aufwendigen Prozess zum Weben vorbereitet. Das gute Stück, das am Ende rauskommt, ist in meinen Augen unbezahlbar. Dennoch versuchen die Touristen die Frauen, die monatelang an einer Bluse arbeiten, auf 10 Euro runterzuhandeln. Den meisten gelingt es dann auch. Da dies oft das einzige Einkommen für die Familie ist, nehmen die Frauen eben das, was ihnen hilft die Familie durch den Tag zu bringen. Denn die meisten Frauen sind so ziemlich auf sich allein gestellt, da viele Männer aufgrund des starken Alkoholismus mehr Zeit auf der Straße, als bei ihrer Familie verbringen, geschweige denn bei der Arbeit.

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Und trotz all den Schwierigkeiten, denen sich die Frauen hier stellen müssen, haben sie das herzergreifendste Lachen, das ich kenne, sie sind unglaublich höflich, interessiert, neugierig und immer für einen Spaß zu haben. Auch die historische Vergangenheit der Maya-Kultur hat so ihre Spuren hinterlassen, aber die Frauen tragen ihre Kultur mit so viel Stolz und Anmut und drücken ihre Geschichte durch die Farben und Symbole in ihrer traditionellen Tracht, die sie täglich tragen, aus.

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Auch wenn man nicht immer versteht, wofür die Farben und Symbole stehen, ziehen sie einen doch in ihren Bann und man kann die Kultur der Maya, die hier am See so präsent ist, nicht nur an jeder Ecke sehen, sondern auch spüren. Manche sagen, dass der Lago Atitlan magische Kräfte hat und dass das der Grund für die besondere Stimmung hier ist, aber für mich sind es die Menschen hier, die dem Ort seine Besonderheit geben und die mir sehr fehlen werden.

Autorin: Jana Synkowa

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